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2015: Die Vogelbeere

Vogelbeere
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Wilde Leipziger 2015: Die Vogelbeere

„KANN SCHÖNN’RN BAAM GIBT’S WIE ANN VUGELBEERBAAM..."

Was der Forstmeister und Heimatdichter Max Schreyer 1887 in erzgebirgischer Mundart über den „Vuglbeerbaam“ in Verse fasste, kann wohl jeder Naturliebhaber nachempfinden beim Anblick einer breit ausladenden Eberesche (Sorbus aucuparia), deren grazile Zweige sich unter der Last der leuchtend roten Fruchtstände fast bis zum Boden neigen. Prachtvolle alte Exemplare sind nicht nur an Waldrändern, Berghängen und alten Gehöften im sächsischen Erzgebirge zu finden, sondern dieses anspruchslose, rasch wachsende baum- oder strauchartige Gehölz aus der Gattung der Mehlbeeren kommt in ganz Deutschland sowie in zahlreichen Regionen von Westsibirien bis in den Mittelmeerraum vor, im Flachland ebenso wie in Höhenlagen bis zu 2.400 Metern. Viele der mehr als 150 allein im deutschen Sprachraum bekannten Namen für die Eberesche verweisen auf ihre Jahrhunderte lange Nutzung durch den Menschen. Denn entgegen einem hartnäckigen Irrglauben sind weder ihr Laub, noch ihre Früchte giftig, letztere, wenn in großen Mengen roh genossen, höchstens unbekömmlich.Als Pioniergehölz besiedelt die Eberesche schnell Ödflächen, befestigt mit weit streichenden Wurzeln Steilhänge, lockere Böschungen, gefährdete Wildbach-Ufer. Und erobert mit Bravour auch verdichtete Stadtlandschaften, wo ihr schlanker Habitus, das lichte Geäst, das tiefgrüne, schnell vergängliche Laub und mehr noch der herbstliche Fruchtschmuck wertvolle ökologische Nischen schaffen, an denen Mensch und Tier – viele Vogelarten ebenso wie Insekten und Kleinsäuger – gleichermaßen Freude haben. Für eine bewusste Gestaltung städtischer Grünräume, die sich an Artenvielfalt und Regionalität orientiert, spielt die Gehölzgattung Sorbus insofern eine besondere Rolle, als intensive züchterische Bemühungen Sorten und Varietäten hervorbrachten, die in der Bandbreite der Gehölzgrößen, der Wuchsformen, oder der Fruchtfarben jedem Standort gerecht werden. Der größte „Quantensprung“ aber ist den Züchtern bei der Fruchtqualität gelungen: So zeichnen sich etwa ‚Rosina’ und ‚Konzentra’, zwei vom Gartenbau-Institut Dresden-Pillnitz in den Handel gebrachte Auslesen der Mährischen Eberesche, durch einen wesentlich geringe-ren Anteil der für den adstringierend-bitteren Geschmack wilder Ebereschenbeeren verantwortlichen Parasorbinsäure aus. Und die durch Iwan Mitschurin, den „Einstein der russischen Botanik“, in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts vorgenommenen Gattungskreuzungen der Eberesche mit Aronia, Weißdorn, Mispel, ja sogar Birne ließen eine völlig neue – zumeist unter dem Namen Sorbaronia zusammengefasste - Gruppe von Wildgehölzen entstehen, in deren Früchten sich die besten Eigenschaften beider Elternteile geschmacklich potenzieren.

Vom gärtnerischen Zierwert dieser hierzulande noch selten anzutreffenden Ebereschen-Abkömmlinge ganz zu schweigen. Von welcher Seite man es auch betrachtet, Forstmeister Schreyer hat es auf den Punkt gebracht: Kann schönn’rn Baam ...

Volker Umbreit
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