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Christel Eißner

Urban Gardening in historischen Parkanlagen?

Christel Eißner aus Leipzig Schönefeld beobachtet die Parthe aus ihrem Engagement für die Initiative Querbeet.

Die Frage der Parks finde ich hochspannend. Bei historischen Parks sind ja Eingriffe nur ganz bedingt möglich, hier soll ja in der Regel der Urzustand wieder hergestellt werden. Aber das Parkpflegewerk bietet auch Spielräume für Elemente, die bestimmte Epochen widerspiegeln und daher eine Daseinsberechtigung haben. Das wäre im Mariannenpark zum Beispiel der Thälmann-Ehrenhain. Was, wenn durch den höheren Siedlungsdruck solchen Initiativen wie Querbeet Flächen für Gartenprojekte entzogen und die kreativen Ideen nicht mehr umgesetzt werden können? Wäre es nicht möglich, mit diesen Projekten in historische Parks zu gehen und die Bewirtschaftungsform Urban Gardening als ein Zeitzeichen für unsere Epoche zuzulassen? Vielleicht gibt es Parks weiter außerhalb, die wenig genutzt sind, und die dankbar wären für diese Eingriffe.
Wir leben als Initiative Querbeet immer unter dem Damoklesschwert, dass wir unsere Flächen verlieren. Und welche verfügbaren urbanen Restflächen gäbe es dann noch? Vor vier Jahren haben wir uns gegründet und mit dem Gärtnern angefangen, aber schon nach zwei Jahren haben wir unsere erste Fläche wieder verloren und mussten umziehen, weil an dem Standort eine Kita gebaut wurde. Wir gärtnern aber nicht nur auf Stadtbrachen oder Baulücken, wir machen auch Umweltbildung und soziokulturelle Projekte, wollen viel Impact liefern in den Kiez, in dem wir arbeiten, vom Filmfest zur Nachhaltigkeit bis zu Workshops, die sich mit Bierbrauen, Brotbacken und so weiter befassen. Das Bier war übrigens sehr lecker, so bisschen wie ein Lager.
Selber anbauen und nutzen, das ist unser Ding. Wir wollen uns ein bisschen unabhängiger machen von den Lebensmittelketten, den Kindern klarmachen, wo unsere Lebensmittel herkommen und wie sie produziert werden, den Leuten die Vorteile regionaler Kreisläufe verdeutlichen. Wir machen das bewusst mitten in der Stadt, weil wir nah an den Bürgern sein wollen. Wir arbeiten natürlich auf den Restflächen in dem Wissen, dass es sich um Zwischennutzungen handelt. Deswegen wird auch alles so mobil wie möglich gestaltet, wir nutzen Hochbeete, die man schnell umsetzen kann, errichten kaum massive Bauten. Wir sagen jetzt nicht, der sozial schwache Osten braucht solche Initiativen, wir sind dahin gegangen, weil es dort eher als in den angesagten Ortsteilen von Leipzig verfügbare Flächen gab.
Gerade sind wir in einer Umbruchphase. Wir sind derzeit dabei, einen Verein zu gründen, um unter anderem neben unserer gemeinnützigen Arbeit denen, die mit der Gartenarbeit, sei es in der Produktion von Lebensmitteln oder über Kursangebote, Geld verdienen möchten, eine Plattform zu bieten. Mir reicht ein Klein-Klein, ich habe meinen Beruf und auch noch einen Kleingarten ganz in der Nähe vom Mariannenpark, weil ich da wohne. Andere wollen sich jedoch einen Lebensunterhalt aufbauen in diesem Bereich. Aber mit den kleinen Flächen, die wir jetzt haben, ist das nicht möglich. Die werfen nicht genug ab. Wenn ich einen exklusiven Saatguthandel aufziehen wollte, wäre es zu wenig. Wir hätten auch nicht genug Getreide, um Bier zu brauen. Mit Kooperationspartnern innerhalb und außerhalb der Stadt wäre es aber durchaus machbar und Querbeet als Vertrauen stiftende Dachmarke denkbar. Daher diskutieren wir auch immer die Frage wo wir hingehen, wenn wir unsere Flächen verlieren.
Leere Parzellen in Gartenanlagen waren da auch ein Thema. Aber da gingen gleich die Hände hoch, weil wir da mit den soziokulturellen Projekten wie dem Filmfest wohl kaum agieren könnten.
Als Bürger von Schönefeld habe ich mal versucht auf einer leeren Parzelle in der Kolonie „An der Parthe e.V.“, direkt am Fluss einen Schulgarten zu etablieren und eine Kooperation aufzubauen, aber das war mühsam, kam nicht recht in die Puschen. Der Gartenverein war aufgeschlossen für so eine AG, er hätte auch Gartengeräte gespendet, aber es fand sich keine begleitende Person, die die Schüler abholt und in die Schule zurückschafft. Angedacht ist nun ein Projekt über Querbeet und den Kinderschutzbund im Schulgarten einer Grundschule in Schönefeld. Es geht um Färberpflanzen, das Experimentieren mit Färberknöterich und Mädchenauge und ich will einen Kalender mit den Kindern erarbeiten, welche Pflanzen und Pflanzenteile wann gesammelt werden können.
Ich bin ganz bewusst nach Schönefeld in die Nähe der Parthe gezogen, weil ich die Landschaft einfach liebe. Die Parks haben uns angezogen. Und du fährst durch den Mariannenpark und den Abtnaundorfer Park und bist dann auch gleich im Grünen. Aber weiter als bis Panitzsch komm ich selten.
Ich freue mich auch an der Retentionsfläche der Parthe am Freibad Schönefeld. Es ist gut, dass die nicht anders genutzt werden kann. Es ist eine ungeheure Freiheit der Landschaft da zu spüren, eine tolle Ästhetik. Da gehen wir auch oft spazieren. Es ist einfach traumhaft da. Wir haben da schon unsere Kinder spielen lassen, weil man das Naturgefühl in der Stadt woanders kaum erleben kann. Die haben da auch gebadet und mussten sich unter der kleinen Brücke verstecken, wenn Spaziergänger kamen, weil sie nichts anhatten und warten, bis die ihren romantischen Blick von der Landschaft da gelöst hatten. Das ist eine ganz ursprüngliche Fläche, in ihrer Funktion als Retentionsraum. Das Areal hat einen ganz hohen Wert, das sagen viele Leute. Es ist ein Alleinstellungsmerkmal. Da musst du schon eine ganze Weile aus der Stadt gehen, um so eine unberührte Fläche zu finden, wo man Kindern die Natur erklären könnte. Solche nichtgesteuerten Restflächen sind eine Chance. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dort zukünftig Eingriffe möglich sind, dass die Parthe daran gehindert werden könnte, sich bei Hochwasser auszubreiten.
In unserer Kleingartenanlage hingegen wurden beim letzten Hochwasser etliche Parzellen geflutet. Aber die waren eben da auch nicht vorgesehen. Die regulären Gärten liegen alle auf einer Aufschüttung und waren auch nicht betroffen. Unter Wasser standen die, die im Überlaufbereich der Parthe waren. Da haben wir auch viel diskutiert, ob es überhaupt noch Sinn macht, diese Gärten zu erhalten. Es gibt viele leere Parzellen in derselben Anlage als Ausgleichsmöglichkeit, da könnte man die an der Parthe auch brach liegen lassen. Aber die Leute beharren auf ihrem Recht und sehen lieber ihre Kohlrabi ab und an im Aquarium stehen.
Für die Landschaft an der Parthe ist Hochwasser aber ein kleineres Problem. Was passiert, wenn sich der Trend des Rückgangs der Weidetierhaltung fortsetzt? Viele Elemente in der Landschaft hängen davon ab, vor allem das Grünland. Wer soll das abfressen? In vielen Bereichen wird es da eine Umnutzung geben. Wird das alles Gemüse, wird es Getreide, was machst du damit? Und ob der Markt für das Spaßreiten so groß ist? Was passiert mit der Landschaft, wenn der Bedarf an Weidetieren einmal nicht mehr da ist?





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