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Meinhard Schatz

Und wie die Parthe hier so durch den Ort floss, ich fand das irgendwie romantisch

Meinhard Schatz aus Glasten hat sein Leben an der Parthe verbracht und kennt sie deshalb genau.

Meine Familie, meine Eltern und Großeltern haben schon immer hier gewohnt. Und ich bin auch nur drei Jahre weg gewesen, als ich auf der Handelsschule war. Jetzt bin ich 85 und immer noch hier!
Früher floss die Parthe hier mitten zwischen den Häusern, hier, wo jetzt die Hauptstraße ist. Damals war der Fluss viel breiter, mit großen Steinen drin. Manchmal war auch nicht viel Wasser da. Über die Parthe ging etwas weiter oben eine Brücke mit zwei aus Ziegelsteinen gewölbten Röhren. Wenn dann viel Wasser kam, haben es die Röhren nicht geschafft und dann ist es drüber gegangen. Drei oder vier Mal im Jahr hatten wir es im Keller stehen. Wir hatten hier nur eine Holzbrücke. Da bin ich als kleiner Junge auch ein paar Mal reingefallen, bin mit dem Dreirad immer ganz haarscharf an der Kante lang und dann passiert das. Und wie der Fluss so durch den Ort floss, mit einem Flussbett und Steinen drin, ich fand das irgendwie romantisch, sehr romantisch. Im Wald ist sie noch so naturbelassen, da sind Bäume reingestürzt, dort ist sie noch wie früher. Und dann ging sie über die Grundstücke und machte Bögen.
1937 wurde die Parthe dann umgelegt, hinter die Häuser. Das hat der Reichsarbeitsdienst gemacht. Da gab es keine Bagger. Nur mit Spaten, Schaufel, Hacke. Ich nehme an, dass es wegen der Überschwemmungen war, durch die Begradigung hat es weniger Überschwemmungen geben sollen. Dafür ist die Fließgeschwindigkeit wieder höher.
Als ich Kind war, hat das ganz Dort sein Wasser von der Parthenquelle bekommen. Es gab Rohrleitungen, die haben das Wasser hertransportiert. Jetzt kommt das Wasser zentral vom Wasserwerk.
Wir haben die Parthe auch für Löschzwecke genutzt. Ich war ja 21 Jahre Wehrleiter, vorher mein Vater 16 Jahre. Da gab es keine große Genehmigung zu holen von der Wasserwirtschaft, der Bürgermeister hat gesagt: Los geht’s! und da haben wir hier oben einen Stau gemacht, die Uferböschungen wurden gemauert und da konnten wir dann Wasser nehmen. Da kam ein Schieber rein, der wurde halt gezogen, wenn Hochwasser war. Und dasselbe war hier vorne nochmal.
1956 gab es mal den Fall, da hat es gebrannt und wir hatten in der Parthe Vertiefungen gegraben und einen Kasten eingebaut, in dem 50 cm Wasser stand. Aber das Wasser hat Strömung und ist in Bewegung und aller vier Wochen war der Kasten voller Sand! Deshalb haben wir dann die Staustufen gebaut. Und jetzt kommt der Streitfall, dass in der Parthe keine Staustufen mehr sein sollten. Das sollte zurückgebaut werden. Aber dafür muss es ja etwas anderes geben, woraus die Feuerwehr Wasser nehmen kann. Wie das weiter geht, weiß ich nicht. In der Hitlerzeit gab es auch am Kindergarten einen Schieber, so dass ein Stau war, da hatten die wie einen kleinen Badeteich für die Kinder. Die Wasserwirtschaft hat auch einen Messschieber.
Aber eigentlich heißt das hier noch gar nicht Parthe. Erst ab der Kreuzung vorn im Dorf. Wenn man dort an dem Zusammenfluss steht, da sieht man rechts die Lahn oder den Lahnbach und links, das ist der ursprünglich von der Quelle, also von der Parthenquelle kommende Arm. Aber früher hieß er Gosse und die Quelle Gossenborn, Gossenbrunnen. Erst ab der Kreuzung hier vorn ist es die Parthe. Aber das wissen die wenigsten. Und oben an der Quelle steht auch Parthenquelle. Ist so eingefasst mit Steinen, Bänke daneben.
Zur DDR-Zeit gab es Parthenfeste. Es gab den Parthenverein und da wurden die Parthenfeste gefeiert, draußen an der Quelle. Das war groß aufgezogen, wurde dann aber nicht mehr gestattet, wegen der Brandgefahr. Dann hatten wir es hier am ehemaligen Bahnhof. Den Parthenverein und die Parthenfeste gibt es heute noch – es wird in kleinerer Form weiter gefeiert.
Wir hatten an der Parthe hier eine Mühle, im Unterdorf. Da ist auch der Mühlteich und dort stand die Wassermühle. Ich kenne den Betrieb nicht mehr, aber ich kenne das Wasserrad.
An der Parthe hat es auch mal einen Todesfall gegeben, das ist in der DDR-Zeit gewesen, da ist ein Kind durch die steile Böschung in den Fluss reingestürzt und da hat das Wasser das Kind mitgenommen bis unterhalb des Dorfes, wo die Wiesen sind, und erst dort haben sie es rausholen können. Und da kommen wir dazu, zu dem Nachteil, wenn es kanalisiert ist, dann ist eben die Strömung stärker. Wenn es viel geregnet hat, dann ist der Wald wie ein Schwamm, und wenn der voll ist, dann kommt die Parthe, wo sie aus dem Wald raus kommt, dort geht sie wieder in das alte Bett und im Ort fließt sie mitten auf der Straße lang.
Das Abwasser aus den Häusern floss früher einfach so in die Parthe. Da war das Wasser nicht sehr gut. Und eben weil die Parthe durch den ganzen Ort fließt, haben alle Häuser eine eigene Grube bauen müssen, die dann das geklärte Abwasser direkt in die Parthe ableitet. Glasten hat nur eine zentrale Grube für 17 Familien, die recht eng beieinander wohnen, die von der Wasserwirtschaft betrieben wird. Also, das Wasser ist schon viel besser geworden.
2002 sind wir total abgesoffen. Kellerräume und Garten waren davon betroffen. Meine Erdgeschosswohnung ist sechs Stufen erhöht und somit vom Wasser nicht so schnell zu erreichen. Inzwischen haben die das hier neu festgelegt, mit den Überschwemmungsgebieten. Also hier bei mir ist jetzt Überschwemmungsgebiet. Die Trennlinie führt mitten durch mein Haus – eigenartig. Beim Hochwasser 2013 haben bei uns noch ein paar Zentimeter gefehlt. Naja, ich habe eine Pumpe im Keller und die pumpt das wieder raus.
Ich finde es schön, wenn man an einem kleinen Bach wohnt, man muss zwar das Gras hauen, aber es ist schön. Manchmal ist so wenig Wasser da, dann fließt er nur so stark wie der Arm. Wir hatten es auch schon, da floss er schmal wie der Daumen. Und er muss mal wieder sauber gemacht werden, er wächst sonst zu hier.





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