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Mahonie 2021

Mahonie
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Mahonie

Allgegenwärtig, und doch gern übersehen …

Die botanisch zu den Berberitzengewächsen zählende Gewöhnliche Mahonie (Mahonia aquifolium) stammt ursprünglich aus dem westlichen Nordamerika, wo es der Kleinstrauch in Oregon als offizielle „Staatspflanze“ zu einiger Berühmtheit gebracht hat. Um 1840 nach Europa gelangt, verbreitete sich die Mahonie hierzulande so rasant, dass sie als eingebürgerter Neophyt inzwischen aus Grünanlagen, Parks, ja selbst von innerstädtischen Verkehrsinseln ebenso wenig wegzudenken ist wie aus alten Villengärten und Friedhöfen. Ihre Anpassungsfähigkeit an verschiedene Boden- und Lichtverhältnisse, die Robustheit und Genügsamkeit mögen Gründe dafür sein, dass man diese immergrünen Gehölze heute auch vielerorts verwildert in der freien Natur antrifft. Von einigen Botanikern wird die Mahonie deshalb bereits als potentiell invasiv angesehen. Dem „Vormarsch“ der Mahonie Vorschub geleistet haben sicher auch Vogelarten wie Finken und Amseln, die geradezu erpicht sind auf die blauen Mahonienfrüchte.

Angesichts der Allgegenwärtigkeit von Mahonien in Stadt und Land erstaunt um so mehr, dass die breitbuschigen Kleinsträucher mit dem dunkelgrünen ledrig glänzenden gezähnten Laub kaum je bewusst wahrgenommen werden. Vielen sagt nicht einmal ihr Name etwas. Dabei punkten Mahonien mit einer ganzen Reihe von Vorzügen. Dazu zählen der gefällige, mäßige Wuchs bis zu anderthalb Metern Endhöhe und die Schnittverträglichkeit ebenso wie die zierende bronze-violette Herbstfärbung. Wenn von März bis Juni die stark duftenden, aufrecht stehenden goldgelben Blütenrispen erscheinen, sind die Sträucher umschwärmt von verschiedenen Bienen- und Hummelarten. Auch die in manchen Jahren stark ausgeprägte Nachblüte im Herbst liefert zahlreichen Insekten ein willkommenes spätes Nahrungsangebot.

Erstaunlich ist die Fähigkeit der Mahonien, dem Wurzeldruck höherer Bäume standzuhalten und mit wenig Licht auszukommen, weshalb sie für Landschaftsplaner und Gartengestalter die erste Wahl darstellen, wenn es um absonnige Standorte und Schattenpflanzungen geht. Neben den Sorten der Gewöhnlichen Mahonie werden dabei gern auch Kreuzungen mit der Berberitze (Mahoberberis) als Zierpflanzen eingesetzt.

In Zeiten des Klimawandels machen Mahonien vor allem mit zwei Qualitäten auf sich aufmerksam: Sie sind stadtklimafest und trockenheitsresistent. Allerdings kann es auch bei diesen unverwüstlichen Kleinsträuchern in Extremsituationen zu Mehltau- und Rostbefall kommen.

Mahonien werden zwar nicht in Liedern und Dichtungen besungen wie etwa das „Heideröslein“ mit seinen schönen Hagebutten oder die prallen roten Dolden des „Vuglbärbaams“, und doch bilden Mahonienfrüchte gleichfalls eine wertvolle Ergänzung des Wildobstspektrums. Allerdings wissen die wenigsten, dass sich die ab August in traubenartigen Fruchtständen reifenden etwa erbsengroßen himmelblau bereiften Beeren – richtig verarbeitet – vielfältig zu Gelee, Fruchtpüree, Most, ja sogar Obstwein verwerten lassen. Im Unterschied zu allen anderen Pflanzenteilen enthalten die Früchte nämlich nur in sehr geringem Maße Alkaloide und das giftige Berberin, trotzdem sollte man vom Rohgenuss Abstand nehmen und die Kerne aus dem zubereiteten Fruchtmus absieben. Sehr gute Verwertungseigenschaften besitzen insbesondere die in der Späth’schen Baumschule Berlin gezüchteten ertragreichen Sorten „Pamina“, „Mirena“‚ „Apollo“ und „Jupiter“.

Aufgrund des ähnlich gezackten immergrünen Laubes werden Mahonien manchmal verwechselt mit der Stechpalme (Ilex aquifolium), deren Früchte allerdings gänzlich ungenießbar sind.

Da Mahonien vielerorts tatsächlich ein „Schattendasein“ führen, um nicht zu sagen: fristen, erscheint es umso wichtiger, dieses unspektakuläre, und doch überaus nützliche Wildobstgehölz als Leipziger Wildfrucht des Jahres 2021 in den Blick der botanisch interessierten Öffentlichkeit zu rücken.

Informationen: www.wilde-leipziger.eu





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