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Park des Jahres 2013

Richard-Wagner-Hain (Westufer)<br>Foto: Hendrik PupatRichard-Wagner-Hain (Westufer)
Foto: Hendrik Pupat

Richard-Wagner-Hain

Wo liegt überhaupt der Richard-Wagner-Hain? Auf diese Frage hin wird man in Leipzig meistens zur Freifläche zwischen dem Elsterbecken und der sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität geschickt. Der Hörspielsommer, die Rasenmäherzeichnung von Ralf Witthaus im Mai 2008 oder auch der ideenreiche Imbiss „Zierlich Manierlich“ haben zumindest dem Ostufer des Elsterbeckens zu einiger Bekanntheit verholfen. Doch ist dies eben nur die eine Seite. In Wirklichkeit gehören beide Ufer zwischen Oberem Elsterwehr und Zepellinbrücke zu dieser Parkanlage, die seit den frühen 1930er Jahren entstand.

Das Flutbecken der Elster war bereits 1912 gegraben worden; sein Westufer war schon seit 1899 durch den Palmengarten gesäumt. Das über 150 Meter breite Becken, zur Regulierung des Flusslaufes und als Ruderkanal angelegt, war in der Weimarer Republik das Rückgrat hochfliegender Planungsideen: Für eine Weltausstellung, für Sportanlagen und schließlich – in Vorbereitung des 50. Todestages von Richard Wagner (1813-1883) – eines raumgreifenden Denkmals für den Komponisten und Dichter. Am Ostufer, wo heute die Universitätsbauten der früheren Hochschule für Körperkultur und Sport stehen, sollten ein gewaltiger Reliefblock und eine monumentale Brunnenschale entstehen. Am Ostufer, über eine breite Freitreppe mit dem Wasser verbunden, trat dem nie ausgeführten Monument ein Senk- oder Terrassengarten mit Wasserbecken, Staudenrabatten und einer rahmenden Pergola gegenüber. Dieser Garten ist ebenso wie die Rasenflächen, welche den „Richard-Wagner-Hain“ nach Süden großzügig fortsetzen, bis heute in seinen Grundstrukturen erlebbar. Eine Säulenhalle schloss den Ehrenhain, der mit seinen blühenden Rabatten und Fontänen einen eher heiteren Eindruck vermittelte, nach Süden ab. Auch deren Pfeiler sind noch erhalten.

Heiter wie ihr Eindruck ist die Geschichte dieser Anlage jedoch keineswegs. Nach den bereits vorliegenden städtischen Planungen aus dem Jahr 1932 nahmen sich die Nationalsozialisten des Gedankens eines Denkmals für den auch von ihnen verehrten Wagner an. Sie überhöhten die Idee zum Nationaldenkmal und die Ausformung ins Monumentale. Die Grundsteinlegung am 6. März 1934 war ein gewaltiger Aufmarsch, Hitler und die übrigen Führungseliten nutzten den Anlass zur Propaganda. Aus einem 1933 ausgelobten bildkünstlerischen Wettbewerb ging der Bildhauer Emil Hipp (1893-1965) als Sieger hervor. Seine Reliefs für den zentralen Denkmal-Block und die umlaufende, 430 Meter lange Mauer kamen indessen nie in Leipzig an, da der von den Nazis entfesselte Krieg die weitere Ausführung des Großprojekts verhinderte.

Weitgehend zur Ausführung gelangten hingegen die Gartenanlagen nach den Entwürfen Gustav Allingers (1891-1974). Dieser zählte zu den tonangebenden Gartenarchitekten seiner Zeit – in künstlerischer wie in politischer Hinsicht. Als NSDAP-Mitglied hatte er an der Gleichschaltung der Berufsverbände einen hohen Anteil; als Funktionär trat er mitunter in SA-Uniform vor seine Kollegen. Allinger, der zuvor mit dem Entwurf von Gartenschauen und Privatgärten auf sich aufmerksam gemacht hatte, entwarf für Leipzig eine von englischen Staudengärten inspirierte, architektonische Anlage. Helle Werksteinmauern treten zu rhythmisch komponierten Pflanzungen und den Wasserflächen in Kontrast.

Seit 1998 steht der Richard-Wagner-Hain unter Denkmalschutz, erst vor kurzem hat er seinen Namen zurückerhalten. Die Anlage ist sanierungsbedürftig. Ihr Zustand und die düstere Geschichte hindert die Menschen nicht daran, sie vielfältig zu nutzen: Zum Sport und zum Tanzen, zum Spiel oder einfach zur Erholung. Die Stadt unternimmt indessen erste Schritte, die wertvolle Substanz zu sichern – und den zum „Park des Jahres“ erklärten Wagner-Hain in Zukunft weiter bestehen zu lassen.

Text: Dr. Peter Fibich

2013 wählte das Netzwerk für Stadtnatur den Richard-Wagner-Hain zum "Park des Jahres".





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