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Brauhaus Nerchau

Bio-Bier

Das Brauhaus Nerchau hat sich in einer köstlichen Nische etabliert

„Eigentlich mag ich kein Bier.“ „Mochte“, muss Jochen Rockstroh einräumen. Denn seit fast zehn Jahren nennt er sich „Brauherr“ und trinkt das eigene Gebräu sehr gern. Qualität überzeugt schließlich. Und mit qualitativ sehr gutem Bier kann das Brauhaus Nerchau tatsächlich punkten. Immerhin ist es die erste Biobrauerei Sachsens und legt Wert auf lokale Rohstoffe.

„Die Idee, Bier zu brauen, entstand unterm Kastanienbaum. In gemütlicher Runde, vielleicht war auch Alkohol dabei“, sagt Rockstroh und zeigt auf eine Sitzecke im Grünen. Die befindet sich auf einem Hof im Örtchen Nerchau, das auf der anderen Seite der Mulde bei Grimma liegt. Mehrere flache Gebäude umgeben die Sitzecke. In ihnen lagern die Buden und anderen Gerätschaften, die Rockstroh für seine Firma Heureka Gastro verwendet. Hauptberuflich besorgt er die Verkostung von Gästen auf Mittelaltermärkten und anderen auf rustikal geeichten Veranstaltungen, etwa das Weihnachtsmarkt-Spezial hinterm Alten Rathaus. „Aber das eine Gebäude stand noch leer und wir überlegten, was wir damit machen können.“ Hier Mehl, Milch oder Fleisch zur Verarbeitung für die eigene Stände herzustellen, sei „Quatsch“ gewesen. Aber: „Bier brauchte ich in meiner Taverne in großer Menge. Und das kann man selbst herstellen“, war Rockstroh überzeugt. Also begann er als Hobbybrauer, besuchte 2010 entsprechende Kurse. Derart mit Wissen gerüstet, wagte er den Schritt zur eigenen Brauerei.

Blitzblank glänzen die Kessel und Rohre im Sudhaus. Es sieht nach Chemielabor aus, von der Romantik Bierkeller und Fassanstich hat der Aufbau nichts. Aber hier wird immerhin ein Lebensmittel hergestellt. Rockstroh ruft seinen Brauer Simon Seiffert heran, der knapp die Bierherstellung erklärt. An einer Schautafel zeigt er, wie aus Malz, Hopfen, Hefe und Wasser das Getränk entsteht. Er erzählt davon, wie die Maische geläutert wird, also die festen Stoffe aus dem Malz-Wasser-Gemisch herausgetrennt werden. Im Whirlpool – der heißt tatsächlich wie die sprudelnde Großbadewanne – wird durch Rotation dann die klare Würze abgezogen, aus der im Gärprozess schließlich das Bier entsteht.

Das Nerchauer Brauhaus hat konventionell angefangen, 2013 dann auf bio umgestellt. „Wenn schon Qualität, dann richtig“, meint Rockstroh. „Natürlich ist das Brauen mit reinen Naturprodukten etwas schwieriger, wenn man immer das gleiche Resultat erzielen will. Aber dann ist ein Bier eben mal etwas dunkler, weil schon das Getreide auf dem Feld etwas mehr Hitze und damit Farbe bekam.“ Das sei halt so. Die Gerste bezieht er von einem Biobauern im nahen Sachsendorf. Daraus produziert eine fränkische Mälzerei die Maische. Besondere Malze, um Extrabier zu produzieren, bezieht Rockstroh von einem Spezialhändler. Vier Wochen hat in Nerchau das Bier Zeit zum Gären in zehn und zwanzig Hektoliter fassenden Tanks – viel länger als in konventionellen Brauereien, die den Massenmarkt bedienen. Denn dieses Zeitlassen kostet neben den Zutaten auch mehr Geld. Auch das Etikettieren mit der Hand macht mehr Aufwand, die Flaschenwaschmaschine reinigt nur 16 Flaschen mit einem Mal.

„Wir stellen sicher kein Verzehrbier für jeden Tag her“, sagt Rockstroh. „Wir machen handwerklich sehr gutes Bier aus besten Zutaten. Eigentlich machen wir Craftbeer, ohne dass wir uns so nennen wollen.“ Bei Nerchau wird das Pils am häufigsten verkauft. Es gibt unter anderem ein sommerlicheres Schankbier, ein Schwarzbier und ein Rauchbier, das mit seinem Räuchergeschmack überrascht. Saisonale Spezialitäten wie diverse Bockbiere und ein rötlich strahlendes „Winterzauber“-Bier kommen hinzu. Neben der eigenen Gastronomie auf Märkten und im Schloss Trebsen kann man bei verschiedenen Einzelhändlern und Lokalen das Nerchauer Bier trinken und erwerben. Die Adressen listet die Homepage auf.

Reich werde man mit einer Biobrauerei nicht, meint Jochen Rockstroh. Aber der Betrieb mit seinen drei Mitarbeitern trägt sich mittlerweile selbst und ist nicht nur eine gute Ergänzung für den eigenen Gastrobetrieb. Er ist selbst zum Bierliebhaber geworden. „Wenn man hier direkt am Gärtank den frischen Gerstensaft probieren kann, ist das einfach köstlich.“
Tobias Prüwer

Adresse
Brauhaus Nerchau
Im Grünen Winkel 1
Nerchau/Grimma

Hofladen, jeden Donnerstag von 14–19 Uhr
www.nerchauer-brauhaus.de

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